Dieses Jahr stand für mich eine Reise in das wohl beste europäische Wildwasserpaddelgebiet im Sommer an: Es ging nach Norwegen. Nach 2021 hieß es dieses Jahr wieder: ab in den Norden für fünf Wochen, um dort die atemberaubende Landschaft, tolles Wildwasser und schönes Wetter zu genießen.
„Schönes Wetter genießen“? nach den ersten beiden Tagen, als wir bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad die Bäche Telemarks erkundeten änderte sich das recht schnell auf dem Weg in die Region Voss. Grauer Himmel, Nieselregen und knapp zweistellige Temperaturen konnten uns den Spaß nicht verderben. Und so erkundeten wir – mal zu zweit, mal mit Locals – die Bäche der Region. Z.B. den Raundalselvi und Strandelvi, und die Kleivelvi.

Aufgrund des abfließenden Wassers in Voss beschlossen wir, unsere Reise am vermutlich bekanntesten Bach Norwegens, der Sjoa, fortzusetzen. Im Kajakcamp, direkt am Bach, findet man eigentlich immer jemanden auf der Suche nach Mitpaddlern. Die Mischung aus Vorkenntnissen vom letzten Trip und dem Know-how der anderen Paddler führte dazu, dass wir viele weitere Bäche in der Region, zum Beispiel den Jori und die Store Ula, abhaken konnten.

Ein Stück weiter nördlich befuhren wir einen weiteren Klassiker: die obere Rauma. Dieser Abschnitt zeichnet sich durch glasklares Wasser und schöne Wildwasserstellen aus. Eines der Highlights des Abschnitts ist der Wasserfall „Little Huka“. Um den perfekten Tag auf der Rauma bei schönem Pegel abzurunden, hatten wir sogar Sonnenschein.
Nach vier Wochen an den bekannten Paddelspots Norwegens entschieden wir uns, in den Osten zu wagen. Dieser Entschluss sollte jedoch nur mit mäßigem Erfolg gekrönt werden. Die Flussabschnitte des Ostens sind meist länger und abgelegener im Vergleich zu anderen Teilen Norwegens. Unser eigentliches Ziel, die Schlucht der Mistra, stellte sich als Flop heraus: Sie schoss ins Hochwasser. Auch unsere Ausweichstrecken auf der Unsetåa und Setninga ließen eher zu wünschen übrig. Deshalb beschlossen wir, den Weg nach Oslo zu machen. Wie es der Zufall so wollte, kamen wir dabei dann doch noch an einem Bach vorbei, der Hovda.

Die Hovda liegt in einem kleinen Tal, und der Abschnitt entpuppte sich als zweitägige Erkundungstour. Da wir am ersten Tag erst spät starteten, brachen wir die Fahrt an einer Brücke ab und stiegen dort am nächsten Tag wieder ein. Die Motivation, die Fahrt fortzusetzen, war nicht schwer aufzubringen. Die Hovda belohnt diejenigen, die sich durch den Wald und Sumpf zum Einstieg kämpfen, mit schönen Stufen und Schwällen. Auch der ersehnte Wasserfall des Abschnitts ließ keine Wünsche offen.
Den Abschluss unserer Reise machte ein Touri-Tag in Oslo – sollte man meinen. Auf der Rückreise schauten wir noch an der Oker im Harz vorbei, dem wohl nördlichsten Wildwasserabschnitt Deutschlands. Und so ging unser Norwegentrip ausgerechnet im Harz zu Ende.
Nun kann ich auf einen weiteren erfolgreichen Paddeltrip zurückblicken, auf dem ich viele alte und neue Freunde getroffen, neue Bäche kennengelernt und viele Erfahrungen gesammelt habe. Takk for turen und bis zum nächsten Mal, Norwegen!